Unglaubliche Dekadenz

“Unternehmensführung wurde als eine Begabung, als Intuition, als kreativer Akt u.Ä. gesehen und somit ganz und gar zu einer Frage der Persönlichkeit stilisiert.”

Seit nun schon einem Semester geschäftige ich mich mit der strategischen Unternehmensführung in meinem Zusatzfach der Wirtschaftswissenschaften. Bei meinen Vorbereitungen auf die Klausur, bin ich auf die oben stehenden Zeilen gestoßen.

Beim erstmaligen Lesen habe ich Wut über diese unglaublich Dekadenz des Ökonomen empfunden. Wie können diese die Unternehmensführung mit Kreativität und Kunst in Zusammenhang bringen? Reicht ihnen denn nicht, dass sie sonst schon alle möglichen Bereiche unserer Gesellschaft dominieren? Dann sollten sie mindestens die Güte beweisen, sich aus der Kunst herauszuhalten.

Beim zweiten Lesen musste ich über diese Zeilen schmunzeln, denn sie sind zu absurd, um sie überhaupt für wahre Mützen nehmen zu können. Und dabei bin ich auch geblieben. Die Wirtschaftswissenschaftler sollten sich an den klar bestimmten und rational durchdringbaren Aufgabenstellungen festhalten und ihre Disziplin weiterhin als lehr- und lernbar verstehen. Denn damit fahren sie am besten.

Die strategische Unternehmensführung als eine Kunst - als einen ästhetischen Akt - anzusehen, fällt mir schwer, denn nicht zuletzt sind es die Ökonomen, die behaupten, ihr Disziplin sei lernbar und durch reichliche Praktika in die Praxis zu bringen. Außerdem erscheint mir die Kunst weniger rational und monetär angelegt zu sein…

Was mir allerdings in diesem Zitat gefällt, ist: “und somit ganz und gar zu einer Frage der Persönlichkeit stilisiert” - damit bekommen wir Pädagogen grünes Licht, auch erfolgreich in der Wirtschaft tätig zu werden. Denn wenn wir einen Führungsstil entwickeln, der sowohl die betriebswirtschaftlichen als auch die pädagogischen Aspekte vereinbaren lässt, können wir dem Unternehmen ein große Stütze sein.

Share and Enjoy: Diese Icons verzweigen auf soziale Netzwerke bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • bodytext
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google
Verwandte Beiträge:
Hochgenuss: “Vom Lesebuch zum Hörbuch”

6 Kommentare zu “Unglaubliche Dekadenz”

  1. Chellena

    Vollkommen richtig!
    Danke Anne für diesen Zuspruch, dass wir Pädagogen in die Wirtschaft gehören!

  2. Anna

    Ja, super: Pädagogen an die Macht!
    Vom mangelnden Realitätsbezug abgesehen finde ich es aber auch wundervoll, dass einWiWiler überhaupt daran denkt, dass es kreativ sein KÖNNTE… Oder die waren einfach nur so verzweifelt, weil sie´s nicht auf die Reihe bekommen haben und haben dann versucht, sich so rauszureden! Und wenn du schreibst, es “war” eine Ansicht, vielleicht hat erst später ein sehr sehr kluger und gescheiter Mann (Becker?) es lehrbar gestaltet? Ich würde es ihm zutrauen ;-)

  3. Sven

    Wer sind »wir«? Wer ist »der Pädagoge«? Wer ist »der Ökonom«? Wo ist der Unterschied? Gibt es eine Grenze zwischen »uns« und »ihm«?

    Du schreibst: »Die Wirtschaftswissenschaftler sollten sich an den klar bestimmten und rational durchdringbaren Aufgabenstellungen festhalten und ihre Disziplin weiterhin als lehr- und lernbar verstehen. Denn damit fahren sie am besten.«

    Heißt das, dass sie das Schöne, die Kunst meiden und einzig der wissenschaftlich-ökonomischen Rationalität Raum geben sollen?

    Wäre es nicht toll, wenn Unternehmensführer Künstler wären? Wenn sie nicht nur in Kosten und Nutzenkategorien – ob sie’s wirklich tun sei an dieser Stelle mal dahingestellt - denken würden?

    Außerdem: Gäbe es Kunst ohne Ökonomie? Wer würde sie bezahlen? Wer würde sie genießen? Wer würde von ihr leben können?

    Ach, ich könnte noch tausend weitere Fragen formulieren, denn Schubladen – das ist jetzt nicht böse gemeint – laden geradezu zum Reflektieren des Reflektierten des Reflektierten … des Reflektierten ein.

    … ich merke gerade, dass das schon wieder sehr »pädagogisch« ist! ;)

  4. Anna

    Sven: “… ich merke gerade, dass das schon wieder sehr »pädagogisch« ist!”

    Hmmm… Ich muss gestehen: Mein Schubladendenken hat eher auf Soziologie getippt :-) Hihihi…

  5. DieWaechterin

    Anna hat es ja bereits gesagt: Soziologie! Und Sven, ja, in gewisser Weise hast du recht. Es wäre schön, wenn die Ökonomen Künstler wären - aber wie wir alles wissen - sind sie es nicht! ;-)

  6. Sven

    Ich hatte BWL als erstes Abifach und habe nach dem Zivi drei Semester an der VWA (Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie) BWL, VWL und all so ‘nen Krams studiert, tja, und ich würde mich trotzdem durchaus als Teilzeitkünstler bezeichnen. Hat mich also nicht verdorben, eher weitergebracht, meinen Blick erweitert… Ein dreifaches Hoch auf die Wirtschaftswissenschaften! Ein Hoch auf das Kapital! Es lebe die Ausbeutung! … Ich will keine Studiengebühren zahlen! Wünsche euch allen ein schönes Wochenende. Genießt die Werbepausen zwischen den Spielfilmen. :)

Einen Kommentar schreiben:

It sounds like SK2 has recently been updated on this blog. But not fully configured. You MUST visit Spam Karma's admin page at least once before letting it filter your comments (chaos may ensue otherwise).